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Das Gießerei-Fachwörterbuch enthält jeweils über 10.000 Stichwörter in den vier Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch. Eine Volltextsuche bietet schnellen Zugriff auf den gesuchten Fachbegriff.

Jahresergebnisse 2009:
Trotz Rückgang der Tonnagen bleibt die Innovationskraft ungebrochen

Die Rezession in den Anwendermärkten hat die Schweizer Giesserei-Industrie 2009 hart getroffen. Insgesamt musste ein Rückgang der Tonnagen von 35% gegenüber dem Vorjahr verzeichnet werden. Im angelaufenen Jahr 2010 zeigt sich indessen: Gut strukturiert, flexibel und innovationsstark sind die Schweizer Giessereien in der Lage, nach der Talsohle steigende Nachfragen aufzufangen. Die Marktbedingungen bleiben jedoch unberechenbar.

2009 musste sogar der Bereich Stahlguss, der im bereits krisengeschüttelten 2008 noch ein Plus von 12% verzeichnete - eine Reduktion von 25% auf 1’806 Tonnen hinnehmen. Insgesamt nahmen die Ablieferungen bei den Eisen- und Stahlgiessereien im vergangenen Jahr um 37% ab. Verteilt auf die einzelnen Werkstoffe verzeichnete Gusseisen mit Kugelgraphit (Sphäroguss) im Sandgussverfahren ein dramatisches Minus von 48% auf 16’325 Tonnen, im Kokillengussverfahren reduzierte sich das Volumen um 21% auf 14’698 Tonnen. Gusseisen mit Lamellengraphit (Grauguss) ging um 37% auf 17’645 Tonnen zurück.

Bei den Schweizer Leichtmetallgiessern sank die verarbeitete Tonnage um 33% auf 14’613 Tonnen. Im Vergleich musste Deutschland, der zweitgrösste Produzent von Leichtmetallguss in Europa, gar eine Reduktion von gegen 40% hinnehmen. In der Schweiz lag der Rückgang beim Leichtmetall-Sandguss bei 37% auf 2’747 Tonnen. Beim Druckguss wurde ein Minus von 35% auf 9'463 Tonnen verzeichnet und beim Kokillenguss eine Reduktion von 23% auf 2'403 Tonnen. Bei den Kupferlegierungen mussten ebenfalls Einbussen in Kauf genommen werden. Beim Sandguss nahm die Produktion gegenüber 2008 um 2% auf 1’807 Tonnen ab; der Zinkdruckguss ging um 23% auf 1’308 Tonnen zurück.

In diesem Jahresergebnis spiegeln sich die Einbrüche in den Anwendermärkten wider. „Durch die Finanzkrise wurden sämtliche Investitionsgüterbereiche lahmgelegt, da keine Kredite mehr für grössere Projekte gesprochen und Investitionen in neue Maschinen oder Anlagen zurückgestellt wurden“, schildert Eric von Ballmoos die Situation, Präsident des Giesserei-Verbandes der Schweiz (GVS) und CEO der Benninger Guss AG. Am stärksten betroffen waren Gussteile für den Maschinenbau, insbesondere Werkzeugmaschinenbau sowie auch unerwartet Teilbereiche des Energiesektors und Produktionen für die Transportbranche mit Nutzfahrzeugen und Schiffen (Dieselmotoren). „Anstatt in neue Maschinen zu investieren, wurden bestehende Anlagen zum Beispiel in der Textilbranche einfach nur revidiert“, so von Ballmoos.

Von der Rezession wenig betroffen waren dagegen Gussprodukte für die Nahrungsmittelindustrie und den Medizinalbereich sowie Fertigungen für den öffentlichen Verkehr. „In diesen Bereichen profitieren wir von der ungebrochen starken Nachfrage, wie beispielsweise nach immer besseren medizinischen Analysegeräten – und im öffentlichen Verkehr von grösseren Staatsaufträgen“, erklärt Marcel Margot, Geschäftsführer von Metalyss. Dies bestätigt auch Georg Vaas, Verwaltungsratspräsident der AMG - Metall Guss AG: „Die Gesundheit des Menschen ist nicht rezessionsabhängig“.

Ebenfalls positiv wirkten sich im Automobilbereich die Abwrackprämie und die Anschaffung von Neuwagen aus. „Mit innovativen Leichtbau- und Strukturgussteilen für noch energiesparendere PKW konnten wir uns Aufträge sichern“, so Alfred Lichtensteiger, Geschäftsführer der DGS Druckguss Systeme.

Personell wurde die Krise überwiegend durch Kurzarbeit aufgefangen. Leider waren 2009 auch Stellenreduktionen unumgänglich, die jedoch in erster Linie angelernte Temporärarbeitnehmer in der Produktion betrafen. Weiterhin sucht die Branche gut ausgebildete Fachkräfte. „Nur mit den Besten kann man der Beste bleiben“, so Markus Schmidhauser, Geschäftsführer der Wolfensberger AG. Demgemäss wurden auch die Investitionen im Ausbildungsbereich nicht zurückgefahren. Derzeit befinden sich rund 80 Lehrlinge in der Ausbildung zum Gussformer und Gusstechnologe. Auch 2010 bieten die Mitgliedsfirmen des GVS wieder neue Ausbildungsplätze an. Mehr Informationen dazu auf www.giesserei-verband.ch, Rubrik Ausbildung.

„Die Talsohle ist erreicht, so dass ein weiteres Abgleiten unwahrscheinlich erscheint“, schätzt Marcel Margot die weitere Entwicklung ein. 2010 stehen die Schweizer Giessereien allerdings vor besonderen Herausforderungen: „Es werden taggenaue Lieferungen erwartet und der Preiskampf ist enorm“, so Markus Schmidhauser. Dennoch sieht sich auch Alfred Lichtensteiger mit seinem Unternehmen in der Lage, den im Leichtmetallbau derzeit „sprunghaften Auftragsanstieg von 20% gegenüber 2009“ dank globaler Fertigungsabstützung zu bewältigen.

„Chancen haben nur diejenigen Unternehmen, die trotz der Krise in neue Herstellungsmethoden investiert haben und in allen Bereichen Kundenbedürfnisse sehr professionell und möglichst in einem Fullservice-Paket umsetzen können“, weiss Eric von Ballmoos. Momentan sei die Branche in einem bescheidenen Aufschwung. „Die hohe Auslastung bei Neuprojekten macht uns erfreulich zu schaffen. Die Frage ist nur, wie nachhaltig diese sein wird“, so der GVS-Präsident.

Anhaltend schwer zu schaffen machen der Branche Rahmenbedingungen wie die Währungsschwankungen. „Der starke Schweizerfranken hat negativen Einfluss auf die Margen und verschlechtert die Wettbewerbsfähigkeit bei Neuprojekten“, so Peter Hagen, Geschäftsführer der Wagner AG Metalldruckgussguss. „Ein extrem schwacher Dollar und der immer schwächer werdende Euro verschärfen die Krisensituation.“ Sorgen bereiten dazu die steigenden Strompreise und das Abwandern der Kunden in die asiatischen Märkte. „Die Politik ist auch gefordert“, meint Eric von Ballmoos. „Wettbewerbsverzerrungen durch Subventionen, unterschiedliche Handhabung von Internationalen Zulassungsbestimmungen und Zertifizierungen, ungleichmässige Handhabung von Gesetzesauflagen sind Faktoren, mit denen wir tagtäglich konfrontiert werden. Wir wollen keinen „Heimatschutz“ aber wir verlangen für den globalen Wettbewerb auch global gleiche Spielregeln!“


Zürich, 11. Februar 2010


Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
Giesserei-Verband der Schweiz (GVS)
Marcel Menet, Geschäftsführer, Tel. 043 366 00 87, Kontakt

 

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